Handballer reisen nach Schweden

Tag 0 bis Tag 1 (02. und 03. August): Robert und Peterlein

Um Punkt 18:00 Uhr heißt es Taschentücher raus und winke winke – es warten knappe 20 Stunden purer Genuss einer Busfahrt auf die 24 Reisenden. Aufregung und Neugier lassen die Nerven kaum abkühlen, sodass beim Fahrerwechsel in Hamburg unser Busfahrer Robert zu Peterlein dem Hörspiel einsteigt, welches die Gruppe bis zur Fähre in Puttgarden lautstark beschallt. Von Fehmarn nach Lolland erhellt der sanfte Sonnenaufgang die Gemüter. Wenige Stunden später wird dann von Helsingør (Dänemark) nach Helsingborg (Schweden) übergesetzt. Am späten Vormittag heißt es bei der Pause „hej då“ – Willkommen in Schweden. Um etwa 13:00 Uhr ist endlich Eksjö (man spreche „Ekhö“) erreicht: das ehemalige Stadshotell, umfunktioniert zu einer Gruppenunterkunft mit je 4-Bett-Zimmern, kann bezogen werden. Es werden noch ein paar Einkäufe getätigt, die nähere Umgebung zu Fuß erkundet oder anderweitig versucht, zwanghaft die Augen offen zu halten. Nach einem Dinner à la Steffen (Spaghetti Bolo) gibt’s dann endlich den wohlverdienten Schlaf in voller Ausstreck-Länge.

Tag 2 (04. August): Zwerge und Extreme Happiness

Peu à peu trudeln die 14 Jungs und 8 Mädels zum späten Frühstück in der gemeinsamen Küche ein, welches zu einem entspannten Mittagessen übergeht. Die Freizeit wird mit Handy-Gucken, Yoga, Joggen oder Nickerchen gefüllt. Um 14 Uhr startet die Jungs-Gruppe mit der Stadtführung, die Mädels eine Stunde später. Fachmännisch werden die Kleingruppen durch die Geschichte der Kleinstadt (ca. 10.000 Einwohner) mit dem Namen Ek (Eiche) + jö (See) geführt – in den niedlichen rot-weißen Holzhäusern mit niedrigen Decken (ja, die Leute waren früher einfach kleiner) warten spannende Artefakte. Gegen 17:30 Uhr steigt dann die Vorfreude: Training in der Olsbergs Arena. Ab 18 Uhr knallen dann die ersten Harzbälle in den Boden – geschlechtergetrennt trainieren die Neusässer:innen mit den schwedischen Teams und entwickeln Harzblasen, neue Trickwürfe und „extreme Happiness“ bei guten Aktionen.

Tag 3 (05. August): Bewegte Lüfte und schwedische Leckereien

Heute heißt es: Der frühe Vogel erwischt die Fähre. Nach etwa 1,5h Fahrt kommt die Reisegruppe, angeführt von Anders (Vorstand vom EBK), am Vättern, Schwedens zweitgrößtem See, an. Bei der stürmischen Überfahrt nach Visingö nehmen die meisten eine unfreiwillige Dusche - die Kleidung kann bei der entspannten und sonnigen Kutschfahrt trocknen. Für circa 70 Minuten ziehen je zwei Pferde die Planwägen über die naturbelassene Insel. Bei einem Zwischenstopp erklimmen die Sportler:innen auf sehr engem Raum den Kyrk-Turm von Visingö, der mit einem Fünf-Sterne-Rundumblick punkten kann. Zurück am Festland können die klassischen Zuckerbäckereien besucht, lokale Garnelen-Sandwiches probiert oder die Windjacken fester zugezogen werden. Abends wird die Meute in einem Steakhouse versorgt.

Tag 4 (06. August): König der Tundra und Harzfanatismus

Nachdem die schwedischen Bekanntschaften auch bis spät in die Nacht gepflegt werden, bedarf es am Mittwochvormittag längerer Entspannung. Die Freizeit wird mit Spielen, Schläfchen oder Sport gefüllt. Nachmittags geht’s dann, mit Fernglas und beigem Outfit ausgestattet, auf Safari, besser gesagt auf Elch-Spotting. Heute begleitete uns Christer (ehemaliges Mitglied der Stadtverwaltung Eksjö). Im Skullaryd Älgpark können sowohl Rotwild als auch Elche aus nächster Nähe betrachtet werden. Die einstündige Fahrt durch den familiengeführten Park endet mit einer Elchfleisch-Verkostung. Zurück am Camping Eksjö werden die Handballtaschen gepackt und auf in die Arena: heute steht das zweite Training an. Mit weitaus besserem Ballgefühl entsteht langsam eine große Liebe zum Spiel mit dem „Klister“. Abends werden wieder die Spiele, die Handys oder die Musikboxen ausgepackt.

Tag 5 (07. August): Feuerteufel und Rednerpult

Gestärkt und relativ ausgeschlafen steht heute die Schluchtwanderung der Skurugata auf der Agenda. Ausgestattet mit Grillgut und einer Portion Abenteuerlust wandern die 24 Neusässer:innen unter der Leitung von Peter (ehemaliger Vorstand des EBK) durch das Naturreservat. Am Aussichtspunkt werden dann die wohlverdienten Grillwürste und -spieße direkt vom Feuer verspeist. Zurück am Haus am See nutzen die einen die Freizeit zum Chillen oder Einkaufen, die anderen zum Tretboot fahren oder Minigolf spielen. Beim anschließenden letzten Training stehen alle knapp 40 Handballer:innen gemeinsam auf dem Parkett und beweisen die handballerischen Fähigkeiten im abschließenden GER-SWE Match. Nach einer etwas längeren Wanderung am See gelangen die Neusässer:innen zum Clubhaus, wo die Farewell-Party stattfindet. Es werden herzhafte Grillspeisen angeboten und herzliche Worte der Verantwortlichen ausgetauscht. Nachdem die Partnerstädte kleine Geschenke überreicht und weitere Besuche geplant haben, zeigt sich ein beeindruckender Sonnenuntergang beim Heimweg.

Tag 6 (08. August): Kindheitserinnerungen und Heimatgefühle

Der Freitag steht ganz im Licht von Astrid Lindgren. Früh ruft Robert seine Reisegruppe zum Bus, welcher sich durch die dichten Wälder Smålands windet, um den ersten Halt an einer Zuckerbäckerei in Mariannelund zu finden. Anschließend geht’s nach Katthult, besser bekannt als „Lönneberga“, wo die Filme des frechen Michels gedreht wurden. Ein paar Streicheleinheiten an den Ziegen, Nasenklammern bei den Schweinen und Beulen von den niedrigen Decken in Alberts Häuschen später geht es weiter nach Vimmerby. Hier wartet ein Festmahl im Saal des Stadshotell auf die hungrigen Handballer:innen. Nach einem Spaziergang zum Geburtshaus von Astrid Lindgren geht’s weiter nach Bullerbü - zwischen den ikonischen Schwedenhäuschen kann Heu-Hüpfen ausprobiert werden. Noch mit der Melodie von Pippi Langstrumpf im Ohr kehrt die Gruppe nach Eksjö zurück und bereitet ein klassisch schwedisches Abendmahl zu: Käsespätzle mit Röstzwiebeln - so wird die nahende Rückfahrt eingeläutet.

Tag 7 bis 8 (09. und 10. August): Schwedische Sabinen und Schlafentzug

Nach dem gemeinsamen Frühstück beginnt das allgemeine Packen, Wischen und Aufräumen. Letzte Einkäufe werden erledigt, Energydrinks gekippt, um das Durchmachen zu überstehen und Lost-and-Found-Bestände geklärt. Von den schwedischen Freunden verabschiedet, manövriert Robert den Bus pünktlich um 13 Uhr vom Parkplatz. Quer durch Südschweden, mit der Fähre nach Dänemark, vorbei an Kopenhagen, nach Fehmarn. Bei Hamburg findet erneut der Fahrerwechsel statt und Deutschland kann sicher durchquert werden. Kurz vor Ankunft um 9 Uhr in Neusäß werden noch Dankesreden und Lobeshymnen auf die Organisatoren abgehalten – es bleibt nur zu sagen: Tack så mycket! Bis zum nächsten Mal!

Paula Seitenglanz